dünne Haut – Worte aus meinem Leben

Hochsensibel, ein Wort, aber es bedeutet so viel mehr. Etwa 10 % der Bevölkerung betrifft es und die Veranlagung dazu wird vererbt. Es gibt noch wenig Informationen darüber, kaum jemand weiss davon.

Ich bin hochsensibel, meine älteste Tochter ist es auch. Ich habe bis vor ein paar Jahren nicht gewusst, dass es diesen Begriff gibt. Ich habe mir Bücher gekauft über dieses Thema, habe unzählige Beiträge im Internet durchgelesen. Der Grund, warum ich auf die Suche gegangen bin war der, dass ich mit meinem Latein am Ende war. Bei der Erziehung meiner Tochter, bei mir Selbst.

Ich hatte schon als Kind das Gefühl irgendwie anders zu sein, als die Meisten. So als ob ich nicht richtig wäre. Ich hatte schon immer sehr viel wahrgenommen, was die Stimmung anderer betraf. Ich war immer sehr mitleidend, wie wenn ich selbst daran litt. Ich spürte schon als Kind was mein Gegenüber fühlte. Das war ganz normal für mich und ich glaubte, dass alle Anderen das Gleiche empfanden. Dass das nicht so war, wusste ich nicht. Harmonie in alles Lebenslagen war mir immer ganz wichtig, wenn ich zwischenmenschliche Spannungen spürte, tat ich viel dafür, wieder Harmonie herzustellen und nahm Verantwortung und die Lasten meiner Mitmenschen auf mich. Damit es ihnen wieder gutging. Es sollte niemanden schlecht gehen. Das konnte ich nicht ertragen. Auf mich vergass ich.

Ich verbog mich für Andere, nur um dazuzugehören. Ich wollte um jeden Preis so sein wie sie. Aber es brachte nichts. Ich war lange Außenseiterin in meiner Schulzeit. Auch beim Arbeiten wollte ich, dass mich alle mögen, dass ich beliebt war. Da gelang es mir auch ganz gut, was mein Selbstwertgefühl enorm steigerte. Als ich dann bei meinen Kindern zuhause war fiel diese Säule weg und ich fühlte mich leer und nicht mehr nützlich. Sie konnten mir natürlich nicht geben, was ich von außen brauchte. Anerkennung und Geborgenheit. Das sollte ich ja ihnen geben.

Ich wollte Harmonie in unser Familienleben bringen. Es kostete mich superviel Energie und irgendwann merkte ich, dass es so nicht weiterging. Ich machte mich auf die Suche nach Antworten, warum ich mir so viel zu Herzen nahm, mich nicht abgrenzen konnte und in einem Gefühlswirrwarr lebte. So kam ich zu verschiedenen Therapeuten, Ärzten und alternativen Behandlungsmethoden. Da erlebte ich viele Sachen, Aussagen wie: „sie sind halt überempfindlich“ oder „da könnten sie mal das Medikament ausprobieren“.

Nach längerer Suche kam ich schließlich zu jener Person, die mich so nahm wie ich war. Die Erste wo ich mich wirklich ernstgenommen fühlte. Sie ist selbst hochsensibel und hat auch lernen müssen damit umzugehen. Sie begleitet mich jetzt schon ein Weilchen. Ich habe wieder das Gefühl bekommen, nicht schutzlos ausgeliefert zu sein und auch nicht bei jedem beliebt sein zu müssen. Und vor allem mich selbst so anzunehmen wie ich bin.

Es ist dennoch super schwierig damit umzugehen. Ich merke, dass ich schneller ermüde, nach einem ausgedehnten Einkaufsbummel unter vielen Leuten. Dass ich manchmal Stimmungen aufschnappe, die gar nichts mit mir zu tun haben. Ich merke, dass mir laute Geräusche richtig wehtun. Die positiven Seiten wiegen jedoch viel auf, ich empfinde Freude und Wohlbefinden sehr stark. Und ich bin mitfühlend, was den Umgang mit anderen Leuten leichter macht.

Ich weiss jetzt, ich bin normal und ich kann mit meiner Veranlagung umgehen lernen. Wenn diese richtig eingesetzt wird, wird eine Gabe daraus. Diese Gabe möchte ich beruflich nutzen, das ist mein nächstes Ziel.

Wenn jemand mehr Informationen zu diesem Thema haben möchte, der kann mich gerne kontaktieren. Auch dieses Buch kann ich nur weiterempfehlen.

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „dünne Haut – Worte aus meinem Leben

  1. Liebe Christine,
    ich kann was du schreibst gut nachvollziehen. Auch mir ist meine Haut Oftmals zu dünn. Deshalb sind Rückzugspausen und Orte Auch so besonders wichtig. Ich glaube, dass es wesentlich mehr als 10 % sind die sensibler sind. Es trauen sich nur viele nicht dazu zu stehen, weil das immer noch als schwäche ausgelegt wird. Ich habe mir das Buch gekauft bin schon gespannt darauf es zu lesen. Im Moment lese ich gerade ein ganz liebes Buch über eine irische Frau,die mit Engeln spricht. Sie beschreibt in dem Buch ihre Lebensgeschichte, die auch nicht immer einfach war. So wurde sie zum Beispiel lange als zurückgeblieben betrachtet. Das Buch heißt Engel in meinem Haar von Lorna Byrne.

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