Eigenlob tut gut

Komme gerade von meiner Osteopathiebehandlung. Der Therapeut schickt mich nach Hause mit einer Aufgabe, die für mich sehr ungewöhnlich klingt. Ich solle meine Zuverlässigkeit als Geschenk und Gabe sehen. Als eine Eigenschaft, die nicht jeder hat. Wenn ich mir bewusst werde, was ich Tag für Tag schaffe, organisiere und auf die Reihe kriege, dann werde ich mein Urvertrauen in mich und ins Leben wieder mehr spüren.

Über seine Worte muss ich nachdenken, was das heißt für mich. Ist es nicht selbstverständlich, daß man diese oder jene Eigenschaft hat? Für mich sind meine positiven Dinge, die ich gut kann und die mir in die Wiege gelegt wurden, nicht wirklich etwas besonders. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger überzeugt mich meine These jetzt.

Ja, mein Therapeut hat recht, es ist nicht selbstverständlich.

Ich kann auch noch gut zuhören und kochen, gut für Ordnung sorgen und wenns drauf ankommt pünktlich sein. Das und noch viele weitere Dinge kann ich gut. Mein Partner, meine Kinder, Freunde,….können auch etwas besonders gut, haben diese oder jene Eigenschaft, die sie auch als einzigartigen Menschen ausmachen.

Die Schwierigkeit dabei ist, wenn ich meine Eigenschaften als selbstverständlich ansehe, erwarte ich das auch von Anderen. Genauso sollen sie sein, ich kann und mach das ja auch so. Aber da nun mal jeder von uns anderes ist, funktioniert das nicht so. Es stellt sich Unzufriedenheit ein, weil der Andere doch nicht so ist, wie ich mir das wünsche.

Wahrscheinlich kennt das der Ein oder Andere auch. Vor allem Frauen – natürlich gibt es auch Männer – die sagen: das ist ja selbstverständlich, das kann ja jeder, das ist nichts besonderes, das mach ich jeden Tag, das wird erwartet, das hab ich einfach so gemacht.

Das Herunterspielen der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen, führt dazu, sich klein zu reden und sich eher abhängig und hilflos zu fühlen. Da ist es doch viel schöner, zu den eigenen positiven Eigenschaften zu stehen und sie auch zu würdigen. Sie als Gabe und Geschenk anzusehen. So fühlt es sich gleich kraftvoller und größer an. Und ja wir dürfen das!

Viele erwarten auch das jemand Anderer die Dinge sieht, die wir Tag für Tag vollbringen, uns dafür lobt, die Arbeiten würdigt. Wenn das nicht passiert, kommt Frust und Unzufriedenheit auf. Ich glaube, wir brauchen beides. Anerkennung von Außen und Selbstlob, damit wir unsere Fähigkeiten spüren, die wir geschenkt bekommen oder uns erarbeitet haben.

Ich habe beschlossen, wachsamer und liebevoller mit mir selbst umzugehen. Auch mal Innehalten und mein Werk betrachten und mir zu sagen: das hast du echt gut gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Eigenlob tut gut

  1. Ja, das ist cool, was du schreibst. Es gibt aber auch Leute, die finden jeden Müll, den sie tun, mega super. Denen sollte man eher das Gegenteil sagen.

  2. Ich lese gerne deinen Blog, es steckt viel Weisheit in den Geschichten. Und du schreibst nieder, was ich mir in stillen Stunden auch manchmal denke. An dieser Stelle Danke. Soviel zum Lob von außen.

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